Du bist nicht zufällig hier

Jürgen Ferrary
22. September 2026

Vielleicht kennst du diesen Moment: Du liegst abends im Bett, eigentlich ist alles ruhig – und trotzdem wird es in deinem Kopf laut. „Bin ich eigentlich auf dem richtigen Weg?“ „Was soll noch aus meinem Leben werden?“ „Ist das wirklich alles?“ „Habe ich meinen Platz gefunden?“

Und manchmal wird diese Frage besonders laut, wenn etwas nicht funktioniert: wenn eine Beziehung zerbricht, der Job weg ist, ein Traum platzt oder du plötzlich merkst: Ich habe mein Leben irgendwie anders geplant.

Ich kenne solche Momente. Momente, in denen man zurückschaut und sich fragt: „Warum bin ich eigentlich diesen Weg gegangen? Was wäre gewesen, wenn ich mich damals anders entschieden hätte?“ Wir Menschen können uns wunderbar mit solchen Fragen beschäftigen. Wir können unser Leben mit dem Leben anderer vergleichen und dabei das Gefühl bekommen, irgendwo falsch abgebogen zu sein.

Wir verbringen unglaublich viel Zeit damit herauszufinden, was wir tun sollen. Aber vielleicht beginnt die entscheidende Frage eine Etage tiefer: Wer bin ich – und wofür hat Gott mich geschaffen?

Denn dein Leben ist kein kosmischer Zufall. Du bist nicht einfach irgendwann auf dieser Welt aufgetaucht, hast ein paar Jahrzehnte Zeit und verschwindest wieder. Gott hatte dich schon im Blick, bevor andere Menschen überhaupt wussten, dass es dich geben würde.

David schreibt in Psalm 139,13–16: „Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich gerade erst entstand, hast du mich schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben – noch bevor einer von ihnen begann!“

Das ist mehr als ein schöner Bibelvers für eine Taufkarte. Das verändert, wie du über dich selbst denkst.

Vielleicht schaust du auf dein Leben und siehst vor allem Fehler, verpasste Chancen oder Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie du es dir vorgestellt hast. Gott sieht mehr. Er sieht nicht nur deine Vergangenheit. Er sieht auch das, was er in dich hineingelegt hat.

Epheser 2,10 sagt: „Denn wir sind Gottes Meisterstück. Er hat uns durch Jesus Christus neu geschaffen, damit wir die guten Dinge tun können, die er für uns vorbereitet hat.“

Beachte das: Du musst dir deinen Wert nicht erarbeiten. Du bist bereits Gottes Meisterstück. Und dann kommt die Berufung: Gott hat Dinge für dich vorbereitet, die zu deinem Leben, deinen Begabungen und deiner Geschichte passen.

Das bedeutet nicht, dass jeder von uns eine spektakuläre Lebensaufgabe bekommt. Vielleicht ist deine Berufung nicht, eine Bühne zu füllen, sondern einen Menschen zu ermutigen. Vielleicht nicht, berühmt zu werden, sondern deiner Familie treu zu sein. Vielleicht nicht, die Welt zu verändern, sondern den kleinen Teil der Welt, in den Gott dich gestellt hat.

Aber bevor du herausfinden kannst, was du tun sollst, musst du verstehen, wem du gehörst.

Deshalb schreibt Paulus in Römer 12,2: „Lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut und vollkommen ist und ihm gefällt.“

Gottes Wille beginnt nicht mit einer To-do-Liste. Er beginnt mit einer veränderten Sicht auf dich selbst, auf Gott und auf dein Leben.

Du bist nicht auf der Welt, um irgendwie durchzukommen. Gott hat dich mit Absicht geschaffen.

Vielleicht weißt du heute noch nicht genau, wohin dein Weg führt. Das ist in Ordnung. Du musst nicht die nächsten zehn Jahre kennen, um den nächsten Schritt gehen zu können.

Du brauchst nicht den ganzen Plan zu kennen, wenn du dem vertrauen kannst, der den Plan kennt.

Deine Herausforderung für heute: Nimm dir heute fünf Minuten und frage Gott nicht zuerst: „Was soll ich tun?“ Frag ihn: „Gott, wer bin ich in deinen Augen – und wofür hast du mich geschaffen?“ Dann werde still. Vielleicht kommt keine spektakuläre Antwort. Aber vielleicht erinnerst du dich an eine Begabung, einen Menschen, eine Aufgabe oder eine Sehnsucht, die Gott längst in dein Herz gelegt hat.

Und vielleicht beginnt genau dort etwas Neues.

Sei gesegnet!

„Das Leben wird rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.“ — Søren Kierkegaard

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